Tagebuch von Harald Lange, vierter Eintrag

19. März 2015 – Ein absolutes Highlight!

Eigentlich zählte ich noch zu den Noname-Sportlern. Trotzdem hatte ich Sponsoren gefunden, die mir weiterhalfen. Ich möchte mich auch im Rahmen dieses Buchs bedanken be …

BIOSA / PANACEO, die mich mit Sportlernahrung und einer Spende von 500 Euro unterstützten. KNITIDO Zehensocken, die mich mit acht Paar Zehensocken, einer Einwegkamera und Testsocken für den Straßenmarathon versorgten.

COMPRESSSPORT, die sowohl Lahcen als auch mich mit Klamotten für den Maraton des Sables ausstatteten.

Wunderbare Zuwendungen, die ich nicht nur gut gebrauchen konnte, sondern auch sehr zu schätzen wusste. Das absolute Highlight aber erlebte ich zu Hause. Meine lieben Kolleginnen und Kollegen vom Landesschulamt Frankfurt schienen mich doch mehr zu mögen, als ich vermutet hätte. Sie hatten 550 Euro gesammelt und überreichten mir das Geschenk, bevor ich in den Urlaub ging. Liebevoll gemacht war es außerdem. In einer Schale mit Sand stellten sie den Kurs vom Marathon des Sables nach. Kleine Fähnchen, aus Geldscheinen gestaltet, sollten mir die Route zeigen.

Zusätzlich hatten die Mitarbeiter einen „Sponsorenvertrag“ gebastelt. Die Bedingungen lauteten: „Lebe deinen Traum, aber komm gesund wieder!“

Alle, die daran beteiligt waren, hatten unterschrieben. Über 80 Personen, darunter sogar Angehörige meiner Kollegen. Ich war überwältigt.

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Wie ein Buch entsteht, Dritter Teil

Jessica Heiden zählt zu den Studenten, die sich bei mir gemeldet haben, um Erfahrungen im Lektorat zu sammeln. Sie nimmt damit an meinem Gewinnspiel teil (siehe den Blogbeitrag „Deutschlehrer gesucht). Mein Angebot für Personen, die sich gerne einmal im Lektorat ausprobieren wollen, habe ich auch über Germanistik-Lehrstühle in Erlangen und Frankfurt verbreitet. Rund 20 Studenten interessierten sich für das Projekt. Leider konnte ich nicht jedem einen Platz geben, so viele Seiten hatte ich nicht zu korrigieren. Aber ich denke darüber nach, das mit einem anderen Manuskript, mit einem anderen Buch vielleicht zu wiederholen.

Bei Highway to Hell bin ich inzwischen so weit, dass ich das, was Harald Lange mir in den Interviews erzählt hat, noch in seinen Text einarbeiten konnte. Außerdem musste ich eine Reihe von Begriffen recherchieren, die nur Laufsportler verstehen, solange sie nicht extra erklärt werden. Aber das Buch soll für alle Leser nachvollziehbar sein. Auch solche Ergänzungen zählen deshalb zum Lektorat. Genauso, wie ich mit Hilfe der Studenten Wiederholungen gekürzt, die Zeit angepasst habe. Kommas eingefügt und die Grammatik richtig gestellt. Umgangssprachliche Ausdrücke ersetzt … Aber Moment! Wenn ich das tue, greife ich dann nicht zu sehr in den Stil des Autors ein? Was und wie viel darf ein Lektor verändern?

Ein paar Tage habe ich noch Zeit. Ich bin am 1. Dezember bei einer Lesung in Düren. Mein Wunsch wäre, das Buch bis dahin abzuschließen, sodass die Zuhörer das eBook bereits kaufen können. Aber das ist doch sehr ambitioniert.

Tagebuch von Harald Lange, dritter Beitrag

25. Februar 2015 – Es zählt nicht nur die Distanz

Wieder ein Tag, an dem ich mit dem Rucksack unterwegs war. Meine geheime große Liebe, die Sahara, kam mir mit jedem Schritt näher und so langsam, aber sicher konnte ich sagen: „Die heiße Phase der Vorbereitung hat begonnen.“

Die grobe Planung war abgeschlossen, jetzt ging es nur noch um die Feinheiten. Zum Beispiel musste ich die Nahrungsbeutel präparieren. Allerdings verschob ich das besser auf die Woche meiner Abreise, um nicht zu riskieren, dass irgendetwas kaputt geht.

Im Training sollte ich heute zwanzig Kilometer laufen, bergig und wellig, , mit acht Kilogramm Gepäck im Rucksack. Das Wetter war unbeständig. Im Tal konnte ich nichts von Schnee und Eis erkennen, kühles und wärmeres Wetter im Wechsel gaben sich die Hand. Aber oben im Taunus, knapp 300 Meter höher, da lag noch Schnee, der teilweise zu rutschigen Eisflächen gefroren war.

Während mir die Spikes unten nicht halfen, spulte ich oben mit ihnen die Meter ab … Bevor ich mich absolut verirrte. Gut, auch aus Neugier war ich am Herzberg vorbei und mitten durch den Wald gelaufen. Und weiter aufwärts, bis ich an irgendeinem Stromhäuschen oder einer Liftanlage landete – genau konnte ich das nicht erkennen, denn es wurde langsam dunkel. Und bei Schnee und Finsternis sieht alles anders aus.

Natürlich hatte mein Handy weder Empfang noch Akku, ich war also ganz auf mich alleine gestellt. Außerdem hatte ich nicht genügend Nahrung dabei, um Unterzucker auszugleichen. Aber irgendwie musste ich zurück.

Da ich nicht so gut und weit sehen kann wie andere, arbeite ich in einem solchen Fall mit dem bisschen, was mir noch zur Orientierung bleibt. Unglaublich, wie der Verstand in so einer Notsituation reagiert. Ich begann, Spuren zu lesen und zu unterscheiden, ob es Menschen-, Hunde- oder Rehspuren waren. Davon leitete ich ab, wann ich mich auf einem Weg befand, dem ich im Zweifelsfall nach unten folgen konnte. Und der mich schließlich nach Hause führen würde.

Endlich kam ich unterhalb der Saalburg an. Dort stellte ich fest, dass ich schon zwei Stunden unterwegs war, aber erst 13 Kilometer hinter mir hatte. Zwar mit vielen Höhenmetern, aber 13 Kilometer sind keine 20. Also bewegte ich meinen Allerwertesten noch einmal auf die Saalburg hoch. Auch wenn ich schon fast in meiner Wohnung war, also wieder im Warmen saß, musste ich noch einmal starten und weiterlaufen. Und das ohne zu murren. Ich musste mich auf das beschränken, was gerade zu meiner Aufgabe gehörte. Alles andere spielte keine Rolle. Das sah ich dann auch ein. Hier, in diesem Moment, zählte nicht nur die Distanz, sondern die Zeit war unter den erschwerten Bedingungen auch eine andere. So würde es in der Wüste ebenfalls sein. Jeden Tag würde es darum gehen, das Etappenziel zu erreichen. Und ich könnte nicht einfach beschließen: „Jetzt bin ich schon zwölf Stunden gelaufen. Obwohl ich noch nicht in der Zielgeraden angekommen bin, höre ich auf …“

Nein, ich würde weiterlaufen. So schnell wie möglich würde ich versuchen, die Etappe zu beenden. Und falls es länger dauern sollte, musste ich geduldig bleiben.

So hielt ich auch zu Hause durch. In Sachen mentaler Stärke hatte ich mit dieser Trainingseinheit wieder etwas dazu gelernt. Und ich war um einige Erfahrungen reicher geworden. Ich fragte mich, warum ich mir als geübter Sportler immer wieder banale Anfängerfehler leiste, die eigentlich unverzeihlich sind. Um das vorgegebene Trainingsgewicht von acht Kilogramm zu erreichen, hatte ich den Rucksack zum größten Teil mit wertlosem Schund gefüllt. Besser hätte ich Dinge eingepackt, die wichtig für den Lauf gewesen wären, den ich hier bewältigen musste. Wichtig für eine schwierige Situation, in die ich möglicherweise geraten könnte.

Wegen der äußeren Verhältnisse dauerte die Tour automatisch länger. Ich hatte zwei Stunden eingeplant. Oder weniger, wie ich es im Marathontraining auf der flachen Strecke geschafft hätte. Aber hier transportierte ich den Rucksack und setzte mich mit der Witterung auseinander. Dann das Suchen nach dem richtigen Weg. Alles Zusammen genommen, kostete mich das schnell drei zusätzliche Stunden. Drei Stunden Belastung bei Kälte, Regen, Schneefall – da sollte der Läufer auf jeden Fall den einen oder anderen Riegel dabei haben, genug Wasser und zur Sicherheit eine warme Jacke. Doch was hatte ich in meinen Rucksack gepackt? Okay, Wasserflaschen trug ich unzählige mit mir herum. Ich konnte regelmäßig trinken. Eine LED war auch dabei, aber ich hatte nicht ein einziges Gel bei mir, nicht einen Riegel! Klar brauchte ich das im Normalfall nicht bei diesem kurzen Training, aber wie ich nun eines besseren belehrt wurde, kann sich das leicht ändern. Deshalb lautete mein Fazit für diesen Tag: Wenn du schon einen Rucksack schleppen musst, überlege dir gut, was dir auf der Strecke weiterhelfen könnte. Hast du dann immer noch nicht genug Gewicht, gleiche das mit Wasserflaschen, Mehlsäcken, Wüstenequipment, mit was auch immer aus.

(im Lektorat unterstützt durch Jessica Heiden)