Mein Weg nach Berlin

Sportlich aktiv bin ich deutlich weniger als Harald lange. Mein Freund Oliver wohnt in Frankfurt und ich spiele ein bisschen Blindentennis bei der Eintracht. Außerdem gefällt es mir zu schwimmen und längere Wanderungen mag ich auch. Aber Harry läuft definitiv in einer höheren Liga.

Trotzdem haben wir eines gemeinsam: den unbedingten Willen. Wir träumen nicht nur, sondern kämpfen jeden Tag dafür, dass unsere Ideen Wirklichkeit werden.

Den Weg zu seinem ersten Marathon hat Harry schließlich mit dem Zieleinlauf gekrönt. Und darüber hinaus mit einem Buch, dessen Titel eine zentrale Botschaft vermittelt: „… und du kannst es schaffen!“

Vorausgesetzt, dass du dich nicht verkrampfst. Das möchte ich hinzufügen, denn so sehr ich mit Harry übereinstimme, habe ich auch eine andere Erfahrung gemacht. Dass ich die Goldstücke bekommen kann, wenn nicht mehr alles davon abhängt.

Zuletzt ist mir das beim Literaturmarathon passiert. Vier Mal habe ich Anlauf genommen, um daran teilzunehmen. 2015 und 2017 passte das nicht so gut ins Programm. Und dazwischen hätte ich die Möglichkeit erhalten, musste aber selber absagen, weil genau an dem Tag mein Vater seinen 60. Geburtstag feierte.

In den vergangenen Monaten sind meine Gedanken um andere Fragen gekreist. Zwar treffe ich mich immer noch mit Harry, doch Bücher, die sich dem Laufsport zuwenden, schreibe ich gerade nicht. Stattdessen muss meine Dissertationsschrift verbessert werden, verschiedene Autoren fordern mich in Beratung oder Lektorat, während ich privat an meiner Fußballsatire feile.

Da kommt das Angebot herein, beim Literaturmarathon zu lesen. Natürlich sage ich nicht nein. Aber kann ich mit meinem Auftritt überzeugen?

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Mit Harald Lange hat es angefangen …

Ursprünglich habe ich meinen Blog gestartet, um die biographische Erzählung „Highway to Hell“ zu bewerben; ein Buch, das in enger Zusammenarbeit mit dem sehbehinderten Laufsportler

Harald lange entstanden ist. Vor knapp einem Jahr hat Harry im Laufpodcast „FatBoysRun“ erzählt, wie er sich, trotz seiner Behinderung, immer wieder neue Herausforderungen sucht und diese meistern kann. Und jetzt darf ich unser Buch „Willensstark“ in großem Rahmen präsentieren. Nicht einmal mehr eine Woche, dann lese ich beim Literaturmarathon in Berlin!

Diese Veranstaltung eröffnet in der Hauptstadt jedes Jahr die Marathonwoche. Ursprünglich haben sich Ehren-Renndirektor Horst Milde und Detlef Kuhlmann überlegt, wie man den sportlichen Wettkampf in einem überzeugenden Rahmenprogramm kulturell verstärken könnte. Daraus ist eine Veranstaltung entstanden, bei der namhafte Läufer aus ihren Büchern vorlesen. Zum 30. Geburtstag sind neben mir zwei Männer aus Berlin am Start: Achim Achilles und Volker Schröder. Außerdem freue ich mich auf den pensionierten Schulleiter Ulrich Knoll; denn dieser lebt und läuft in Erlangen, wo ich jahrelang studiert und meine Doktorarbeit vorangetrieben habe.

Harry kann mich leider nicht nach Berlin begleiten. Wer weiß, vielleicht hätte er sonst auch selber gelesen. Wir sind mittlerweile gut befreundet und uns zu zweit beim Literaturmarathon zeigen zu dürfen, wäre – nach meinem Empfinden – für die gemeinsame Arbeit eine perfekte Würdigung gewesen. Aber so werde ich mein Bestes geben, um ihn anständig zu vertreten. Und ihm hinterher alles erzählen.